BASLER ZEITUNG: Der Hanf bleibt sein Leben



BASLER ZEITUNG
"Der Hanf bleibt sein Leben"
Von Philippe Reichen
den 25. Juni 2018

Der Walliser Hanfpionier Bernard Rappaz fährt mit seinem Foodtruck «Holyweed» durch die Westschweiz und verkauft Cannabisguetsli.

Bernard Rappaz ist ein begnadeter Verkäufer. Ehrlich begeistert von seinen Produkten, authentisch in seinen Aussagen. Auch jetzt wieder, da der Walliser mit Geschäftspartnern neue Produkte lanciert: Hanfcookies und Hanfglacé.

«Holyweed» heisst sein 2017 gegründetes Start-up. Rappaz schwärmt: «Der Geschmack unserer Biscuits ist unverwechselbar und intensiv. Unser Cannabis stammt aus der Schweiz, angebaut von Bio-Bauern, ohne Düngemittel und Pestizide, unter freiem Himmel, auf Äckern in der Waadt und im Jura und kontrolliert von einem unabhängigen Laboratorium.» Sonst stamme der Hanf ja stets aus Indoor-Plantagen, werde unter Wärmelampen kultiviert und aus dem Ausland in die Schweiz importiert, kritisiert Rappaz die Konkurrenz.

Die Justiz verlor die Geduld mit ihm

Auf fünf Hektaren Anbaufläche erntete er letztes Jahr drei Tonnen Blüten. Diesen Sommer fährt der Hanfpionier die Ernte aus. Mit einem knallgelben Foodtruck reist er von Festival zu Festival und verkauft seine Biscuits. Gerade weilte er mit dem Truck in Genf am Street Food Festival. «Ein Vollerfolg» sei das gewesen, so der Walliser. Die Cookies kamen aus der Backstube der renommierten Chocolaterie Rohr. Rappaz lieferte Hanfblüten und ein Rezept, wie man die Blüten zu marokkanischer Hanfbutter weiterverarbeitet. Die Confiseure produzierten die Butter und verarbeiteten sie mit ihrer eigenen Schokolade schliesslich zu Cookies.

Hinter Bernard Rappaz liegen schwierige Jahre. Seine Erlebnisse hat er in einer Gefängniszelle in einem Buch festgehalten. Die Biographie «Der Pionier: Die abenteuerliche Geschichte eines Hanfrebellen» erschien 2016 auch auf Deutsch. «Ich habe versucht, den Hanf zu liberalisieren, darum hat man mich zu einem politischen Gefangenen gemacht», blickte auf sein bewegtes Leben zurück. Die Justiz packte den Bauern, Umweltschützer, Gewerkschafter, Menschenrechtsaktivisten und Globalisierungskritiker hart an.

Es scheint, als würde sich Rappaz’ Kampf endlich auszahlen und er sich mit seinem Leben versöhnen.

2008 verurteilte das Walliser Kantonsgericht den Unterwalliser wegen Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und acht Monaten. Rappaz hatte trotz Verbot Hanf mit einem zu hohen THC-Gehalt angebaut und verkauft. Es schien, als hätten die Walliser Richter mit dem Hanf­bauern Rappaz die Geduld verloren. «Rappaz wurde überproportional hart angefasst. In jedem anderen Kanton wäre die Justiz verhältnismässiger mit ihm umgegangen», blickt Peter Bodenmann, einst Präsident der SP Schweiz und Walliser Staatsrat, zurück.

Rappaz trat im Gefängnis zeitweise in den Hungerstreik. 2012 kam er frei. Heute droht ihm für seine Tätigkeit keine Strafe mehr. Der THC-Gehalt seiner Produkte liegt unter dem vom Staat festgelegten Grenzwert. «Es ist alles ganz legal – und sehr gesund», betont Rappaz. Vor der Gründung des Start-ups weilte er in Israel. Dort sah er, wie von Epilepsie betroffene Kinder mit Hanfprodukten therapiert wurden. «Die Wirkstoffe helfen», ist der Walliser überzeugt. Das medizinische Potenzial des Cannabis’ sei enorm. Endlich sei der Anbau und die Nutzung von Hanf auch hierzulande reglementiert und legalisiert. Es scheint, als würde sich Rappaz’ Kampf endlich auszahlen und er sich mit seinem Leben versöhnen. (Tages-Anzeiger)

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